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  • Aimo Nyland

ADHS & TICS


Tics - da hat ein jeder, der sich nicht mit der Thematik beschäftigt, recht voreilig ziemlich deutliche Assoziationen, die meist auch nur in eine einzige Richtung gehen: Tourette oder »bekloppt« 🙈


Dabei ist es ein verbreitetes Phänomen, dass auch ADHSler Tics haben können. Die Bandbreite reicht von Dingen wie blinzeln, husten, räuspern, krampfen, lachen über unwillkürliche Körperbewegungen bis hin zu impulsivem Grimassen ziehen und Vocaltics (schmatzen, schnalzen, lautes Schlucken, schniefen, rülpsen, stottern und andere kuriose Geräusche machen und im drastischen Falle sogar sequenzielles Ganzkörperzucken, was man eben alles nicht wirklich unterdrücken kann, da es eben unkontrollierbare Tics sind.


Es handelt sich bei den adhslerischen Tics also weniger um das beispielsweise vom Tourette-Syndrom allseits bekannte »Schimpfwörter brüllen«, und um diese typisch weit ausholenden Gesten, sondern eher um dezentere Bewegungsabläufe und zwanghaft phonetische Tics, die aber keinesfalls weniger schlimm sind für die Betroffenen. Zudem treten beim Tourette die Tics eher gehäuft durch den Trigger von Gesellschaft auf. Bei ADHSlern treten sie hingegen durch unsere meist angelernten und automatisierten Kompensationsmechanismen eher auf, wenn wir alleine sind.


Viele Menschen können nur schwer zwischen Tics und Zwängen unterscheiden. Oder womöglich fragen sich auch einige Menschen, die an plötzlich und unwillkürlich auftretenden Bewegungen oder Lautäußerungen leiden, ob dies nun eher Tics oder doch schon Zwänge sind.

Was hier so als Faustformel gilt ist, dass sich Tics eher abrupt, ohne wirklichen Kontext entwickeln. Sie treten unbewusst und stereotyp auf. Sie entwickeln in den meisten Fällen auch kein festes Muster. Sie kommen und gehen und sind auch selten mit anderen Folgehandlungen oder Ängsten über irgendetwas verworren.

Zwänge hingegen haben meist die Basis von Befürchtungen oder Ungewissheiten bezüglich der Themen von z.B. Verschmutzung, Symmetrie/Ordnung, Wachsamkeit, Präzision, Sexualität etc. und sie entwickeln sich meist sehr schleichend und haben auch eine bestimmte Frequenz, da meist auch eine gewisse Anzahl an Wiederholungen stattfinden muss, damit für die Betroffenen ein erträglicher Zustand erreicht wird (z.B. 5x wieder im Treppenhaus zurück rennen, um sich zu vergewissern, ob man auch wirklich abgeschlossen oder die Herdplatte abgestellt hat).


Grundsätzlich gibt es nichts, was nicht als Tic vorstellbar wäre. Sobald irgendein abnormales Verhalten ungeplant (ohne konkrete Befürchtung), in stets unregelmäßigen Intervallen auftritt und vielleicht sogar noch bestimmte auslösende Trigger hat, ist es ein Tic. Und es kann wie gesagt alles sein! Tics sind so vielfältig und »interessant« wie die Individuen der Menschen selbst.


Unter den Vokaltics gibt es die verrücktesten Dinge, von denen vermutlich noch kaum jemand gehört hat. Und viele haben tatsächlich sogar einen Fachbegriff. Ein Tic von jenen, der auch mich selbst ganz stark betrifft, ist die sogenannte Echolalie. Ein bisschen wird es der Begriff schon verraten, denn das Wort welches drin steckt, ist sozusagen Programm 😉


Es geht nämlich darum, ähnlich wie ein Kleinkind vieles Gehörte (Sprache, Melodien und Geräusche) einfach nachahmen zu müssen, ohne dass es einem offensichtlichen Zweck dient (tut es allerdings meistens doch - mehr dazu später 🙃)

Und dies passiert auch gar nicht so selten in arg übertriebener Form. Entweder laut oder mit verstellter Stimme oder auch in sehr alberner Form z.B. in einem Dialekt oder gern auch in einem fremdsprachlichen Akzent, den man zu allem Übel gar nicht mal beherrscht 🙈 (Ich kann das sehr gut! Haha) 🤣


Zur Veranschaulichung: ich habe das recht stark mit Werbeslogans oder anderweitigen Jingles. Ich kann es nicht willentlich beeinflussen, aber ich höre so manche Slogans im Radio und wenn meine allgemeine »Kompensationsroutine«, die meine »kranken« Synapsen zu gesund anmutenden Fakes macht und die mich in der Regel professionell erwachsen erscheinen lässt, dann mal wieder schwächelt, dann vereinnahmen mich jene Slogans manchmal so extrem, dass ich sie im ungünstigsten Falle auch mal stundenlang aufsage - immer und immer wieder 🥴

Ich selbst finde es »normal« und auch total witzig - eigentlich sogar ziemlich geil wenn ich ehrlich bin 😝 Mein Umfeld leider umso weniger 🙈😏🤣

Auch Tics wie Luft durch die Lippen pressen, um Furzgeräusche entstehen zu lassen, ewiges Löckchen drehen, kapriziöses Grimassieren und infantil-sinnloses Gebabbel gehört zu meinem Tic-Repertoire.


Es ist einfach anstrengend und zudem depressiv machend wenn einem da draußen in der Öffentlichkeit, aber noch viel schlimmer - nicht mal im privatesten Kreise niemand seine pathologischen Tics und Zwänge als solche abkauft, sondern man sich ständig und überall sowas anhören muss wie:


- Hör doch mal auf mit dieser Scheiße

- Lass den Unsinn, du machst mich kirre!

- Sei doch nicht so kindisch und albern

- Mit dir kann man sich echt nirgendwo blicken lassen!

- Mach das wenn du alleine bist, aber bitte nicht jetzt und hier!


So ganz fein nach dem Motto, dass man all das vermeintlich nur machen würde weil man Andere ja bewusst verärgern wolle und es abstellen könnte wenn man denn nur wollte ... Und so ein Bullshit regt mich unermesslich auf! 🤨

Ich verwende sicher gute 80% meiner energetischen Reserven darauf, gewisse Tics zu unterdrücken, was mit ganz viel Mühe (»leider« muss man manchmal ernsthaft sagen) wirklich gelingt 😐


Aber dieses Unterdrücken von Tics kostet eben Unmengen an Kraft und schmälert im Übrigen auch meine allgemeine Leistungsfähigkeit. Warum? Weil die Tics, speziell bei ADHSlern und Autisten eben eher als sogenanntes »Stimming« dienen - eine Art Selbstregulation seiner Emotionen und der inneren Stimme, um Spannungen abzubauen, Konflikte zu lösen, denk- und funktionsfähig sowie letztlich auch einfach nur gesellschaftskompatibel zu bleiben.

Das ist auch eines der entscheidenden Unterschiede zu den Tics des Tourette-Sydroms zum Beispiel, denn innerhalb dieser Störung ist es nämlich so gut wie nicht möglich, jegliche Tics rein aus der Willenskraft heraus zu unterdrücken. Das schaffen die meisten nur unter medizinischem Cannabis oder anderen Neuroleptika 😉


Wie schön wäre es doch, einfach seine Art ausleben zu können, ohne dass immer irgendjemand was dran auszusetzen hat, oder? ... 😗


Generell ist unsichtbar anders zu sein ja schon zemürbend genug. Kommen dann noch sichtbare Attribute wie Tics oder Zwänge dazu, dann leiden die Betroffenen meist erst richtig. Denn zum einen wird man mit seinen schrägen Anwandlungen allzu gerne lächerlich gemacht und auch leider ganz und gar nicht ernst genommen, was noch mit am entwürdigsten ist ...


Na dann: Auf unsere schrägen Tics meine Lieben und allen einen von Herzen kommenden, guten Start ins Jahr 2023! *PROST*🍸 und natürlich ...


🗣️🔄 »CARGLASS REPARIERT - CARGLASS TAUSCHT AUS!« 🤪🎉



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