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  • AutorenbildAimo Nyland

Von »übelst geil!« bis »total kacke!« in teils wenigen Tagen ... 😬🤷‍♂️

Aktualisiert: 1. Juli 2023


Wenn wir von ADHS sprechen, dann denken viele natürlich immer sofort an Hyperaktivität, Aufmerksamkeitprobleme, Trödelei und Chaos - an die »durchgeknallten und sturen Freaks«, die sich nicht anpassen können. Denn so wird es überwiegend von der Wissenschaft und den Medien immer noch nach außen projiziert. Dass ADHS (bei Spätdiagnostizierten umso mehr) noch zig andere Probleme und Verhaltensweisen mit sich bringt, unter denen Betroffene sehr leiden, ist leider kaum bekannt. Dabei müssten all diese dezenteren, nicht so offensichtlichen Begleiterscheinungen von ADHS meines Erachtens auch mehr in den Fokus gerückt werden. Denn nicht selten sind es eben jene, die den Alltag von Betroffenen zum Teil noch mehr einschränken als die offensichtlichen, viel diskutierten Symptome »unseres Handicaps«.


Von einer (meiner) Begleiterscheinung, die übrigens auch wirklich viele ADHSler trifft, möchte ich euch gerne mal erzählen. Sie kann einem das Leben ganz schön versauen und zudem auch sehr depressiv machen und zu größter Verzweiflung führen: es ist so eine Mischung aus Sprunghaftigkeit - Perfektionismus und extremer Selbstwertstörung. Mit einem bekannten Sprichwort, ließe es sich wohl lapidar auch ganz gut beschreiben: »Heute hü - morgen hott!«, was übrigens nichts anderes meint wie »Heute habe ich diese Meinung, morgen eben jene!« oder »Was interessiert mich mein Scheiß von gestern?!«


Ich kann die Dinge, die ich in meinem Leben voller Euphorie angefangen und kurze Zeit später wieder aufgegeben habe, kaum noch zählen. Hobbies oder generell Ideen zu Freizeitaktivitäten oder -beschäftigungen betrifft es eigentlich genauso wie Berufe oder auch soziale Beziehungen.

Ich bekomme leider ziemlich schnell das Gefühl, dass mich irgendetwas packt. Ein kurzer Geistesblitz, ein Hinweis, ein Tipp oder Trigger genügt meist und meine exorbitante Begeisterung kann niemand mehr aufhalten. Über Sinnhaftigkeit, Chance oder möglichen »Sturz« mache ich mir in meinem Rausch der Faszination keinerlei Gedanken. Das, was ich da eben im TV gesehen habe, wird sicher meine neue Leidenschaft. Dieser eine Spontankontakt aus der U-Bahn hat ganz sicher das Potenzial, mein bester Freund zu werden!

Der x-te Beruf, den mir Facebook eben beim Surfen als Werbung anzeigte - ja das könnte mein Traumberuf sein! Davon bin ich wahrhaftig überzeugt!

Und obwohl ich in meinem Leben schon in einem Dutzend von Berufen gnadenlos gescheitert bin, glaube ich das dann immer wieder und wieder, bin ultimativ engagiert und falle mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit damit aber früher oder später auf die Fresse 😖


In diesen ersten Stunden und Tagen meiner durchaus schon als »Wahn« zu betitelnden Phase des Eifers und trügerischer Überzeugungen, gebe ich unermüdlich und selbstlos alles für meine Ideen, Visionen und neuen spannenden Bekanntschaften. Ich gebe teilweise viel Geld aus, das ich nicht habe, um mich mit eigenem Equipment für Hobbies zu bestücken, die ich häufig noch nicht mal vorher ausprobiert habe. Mehrere tausend Kröten sollten sicher schon geflossen sein für unzählige Hobbies, die ich ungefähr genauso lange interessant fand, wie eine vergessene Kartoffel braucht, um zu keimen.

Bei neuen Kontakten bin ich Tage bis wenige Wochen richtig engagiert dabei, während ich mir einrede, dass es dieses Mal ganz bestimmt etwas dauerhaftes werden wird! 🙏 Natürlich NICHT!


Die anfängliche Euphorie macht eben alles, was ich mir da gerade mal wieder aus Unachtsamkeit, Impulsivität oder purer Naivität zusammenspinne, richtig »geil« - ja, es ist einfach »saugeil«. Ich liebe dieses anfängliche Gefühl und nichts, selbst beste Argumente die dagegen sprächen von den engsten Vertrauenspersonen, würden mich nicht aufhalten können, das zu verfolgen, wovon ich da gerade so mega überzeugt bin ...

Ich weiß zwar zu 100% dass alles, was ich anfange anzufassen, nach kurzer Dauer auch wieder sein Ende haben wird, aber der daraus resultierende Lerneffekt ist trotzdem gleich NULL! Wenn die Euphorie mich packt, kann ich nicht widerstehen und mein Hirn suggeriert mir entgegen jeglichen negativen Erfahrungswerten meist grenzenlose Freude und verdammt gute Aussichten. Ich werde quasi von mir selbst mächtig sabotiert 😖 Richtig ätzend ist das!


Um es mal etwas lebensnaher zu formulieren:

»Normale Menschen« fangen vielleicht irgendwann an, Tennis zu spielen oder melden sich in einem Sportverein an. Der Punkt, an dem die Unlust und damit ein Gedanke ans Aufgeben angeflogen kommt, erhascht einen großen Teil dieser Menschen vielleicht jenseits der 10-Jahres-Marke.

Wenn ich anfangen würde Tennis zu spielen, dann würde ich mir einen eigenen Schläger und einen 100er Satz Bälle kaufen (natürlich nur das beste), würde bei einem wöchentlichen Tonus 4-10x trainieren, aber spätestens dann wäre Schicht im Schacht, während mein Selbstwert mal wieder ins Nirvana kracht 🙈🤣🤷‍♂️


Und dieses nur immer recht kurze Aufrechterhalten von Spannung und Interesse zieht sich durch alle Lebensbereiche!

Ein weiteres "Unterkapitel" dieser äußerst doofen Eigenheit ist, dass ich viele Dinge, die ich angefangen habe, nicht mehr beenden kann. Es mag zwar sein, dass ich vielleicht doch länger als erwartet »am Ball geblieben bin«, aber sobald ich bewusst irgendetwas eigentlich nur »pausiert« habe, um es später fortzusetzen, ist der unwiederbringliche »Exit« mit jenem Projekt sicher! Ich kann mit Aufgaben grundsätzlich einfach nicht mehr weitermachen, wenn sie sich einmal aus meinem gedanklichen Fokus verabschiedet haben.


Das bisher Kreativierte kann ich vorher als noch so toll, vielversprechend oder sogar genial angesehen haben, bin ich zwischenzeitlich mit meinen Gedanken ersteinmal woanders gewesen, ist ein Weitermachen unmöglich! Davon mal abgesehen scheinen unbeendete Projekte auch zu meinem absoluten Spezialgebiet zu gehören 😞 Im Zuge meiner künstlerischen Tätigkeit als Musiker und Songwriter ist es so, dass ich in den letzten 20 Jahren bestimmt Musikkompositionen auf meiner Festplatte angesammelt habe, mit denen ich roundabout 50 bis 60 Alben a 12 Titeln füllen könnte. Alles zu gut 80% fertig, müsste nur noch besungen und abgemischt werden. Beendet und sogar released habe ich davon aber nichts - trotz vieler Sachen mit hohem Potenzial, nach Feedback einiger kompetenter Kollegen aus der Branche ...


Tja, vielleicht war es mir aus diesem Grunde auch nicht vergönnt, wirklich meinen Herzenswunsch zu realisieren: Tontechniker, Musiker, Musikproduzent. Ach, was rede ich ... aus diesem Grund war es mir womöglich nicht vergönnt, in drei Jahrzehnten noch nie einen Beruf gehabt zu haben ... 😑

Das eigene gut ausgestattete Tonstudio habe ich zwar bis heute, aber nutzen tue ich davon allenfalls seit Jahren noch den Schreibtisch; heute eben lediglich zum Schreiben (Funfact: haha, dazu ist er ja da 🙈🤣)


Und weil wir ADHSler ja dafür bekannt sind, zielstrebig gerne von Problem zu Problem zu hüpfen, komme ich jetzt so langsam leider auch wieder in eine Phase, in der die euphorischen Gefühle des Schreibens arg nachlassen, sprich: das was sich seit gut 3 Jahren eigentlich superrichtig anfühlt - wie meine bisher gefühlt neue Berufung quasi, fühlt sich nun wieder falsch, unsinnig und absurd an. Nicht nur das Schreiben hier auf dem Blog, auch der Fakt, zwei Bücher auf dem Markt zu haben. Und aufgrund meiner bunkertiefen Selbstzweifel würde ich mittlerweile manchmal nichts lieber tun, als auf all das hier spontan zu scheissen und meine beiden Bücher vom Markt zu nehmen, obwohl das dritte schon nahezu fertig geschrieben ist und bereits in der Startlöchern steht. Versteht ihr sicher alle, nicht wahr? 🫤 *Scherz*


Es überkommt mich dann ein Gefühl, einfach lieber wieder ein erfolgloser »Niemand«, ohne Druck, ohne Verpflichtung und ohne Glück zu sein, so wie ich es schon eigentlich seit über 30 Jahren bin ...

Komplett abtauchen, ohne sich von irgendwelchen Trollen, Hatern, Provokateuren nur noch mehr runterziehen oder sich von kontraproduktiven und richtungsauferlegenden KI's diktieren oder gar verarschen zu lassen, obwohl man ja sowieso schon als psychisch kranker Mensch metaphorisch gesprochen kurz vor'm Abgrund steht 😐 Ja, das wäre manchmal echt ein Traum für mich 🙏


Ich bin auf der einen Seite natürlich irgendwie froh, als »Kämpfer und Aufklärer für die Neurodivergenz« doch noch ein bisschen was erreicht zu haben und auch diesen Blog hier zu führen. Aber ich merke auch zweifellos, dass mich inzwischen das regelmäßige Füttern mit Content einfach in eine selbstauferlegte Erwartungshaltung bringt bezüglich beider Seiten. Blogleser erwarten nunmal Content und ich zwinge mich letztendlich dazu, ihn zu liefern, obwohl es rein energetisch gesehen (und manchmal sogar auch kreativerseits) dafür eigentlich gar keine Ressourcen mehr gibt 🥴🥴🥴

Aus genau dem gleichen Grunde habe ich nach kurzer Zeit des »Versuchs« auch vor einigen Tagen meinen Insta Kanal »platt gemacht« 😬 Mich nur um des Postens Willen day by day zu zwingen, irgendwelchen »Bullshit-Content« abzuliefern, nur damit der Insta Algorithmus mich »lieb hat« und mir gnädigerweise mehr Reichweite spendiert, war dann irgendwann weder mit meiner Vorstellung von Qualität, noch mit meinem Interesse und meiner Motivation vereinbar. Fazit: Fuck off scheiß Insta!🖕💩 Halbes Jahr vorher war es allerdings noch »übelst geil« 😜🤣 Sei's drum - »C' est la vie!«, wie man immer so schön sagt, gell? ☘️


Und so wird es wohl auch irgendwann diesen eigentlich tollen Blog hier treffen, für den ich im Zuge der Einrichtung wahnsinnig viele Energien verloren habe. Ist natürlich logischerweise ganz und gar nicht geplant 😬 aber wenn der Prozess der schwindenden Euphorie erstmal eingesetzt hat, dann ist es bei mir nur noch eine Frage der Zeit ⏳ Leider.


Ich hoffe und bete aber, dass ich euch mit meinem Content (sowohl physisch als auch digital) noch eine ganze Weile zur Verfügung stehen kann und ich potenzielle Wutanfälle aus Unlust und Überforderung irgendwie etwas ungefährlicher kompensiere, als damit, impulsiv »die falschen Knöpfe zu drücken« 🙏💚❤️💙


Euer »Synapsenzombie« Aimo 🧟


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